Eigentlich wäre das Traktandum „Fachstelle Kultur“ der morgigen Parlamentssitzung eine klare Angelegenheit: Eine 60%-Stelle, Kostenpunkt rund 80'000 Franken. Aufgaben: Dreh- und Angelpunkt der städtischen Kulturpolitik sein, der Zusammenarbeit zwischen Stadt und Kulturszene mit dem Ziel, das Oltner Kulturschaffen zu unterstützen, zu präsentieren und noch besser (sichtbar) zu machen.

Davon kann man halten, was man will. Wir von Olten Jetzt! stehen geschlossen hinter der vom Verein Pro Kultur Olten lancierten Initiative und zwar nicht nur, weil ich, Kissi, Vorstandsmitglied dieses Vereins bin. Durch eine „Fachstelle Kultur“ kann die Arbeit der ganzen Oltner Kulturszene, in welcher wie überall ein riesiger Berg an unentgeltlicher Freiwillgenarbeit geleistet wird, von städtischer Seite vergleichsweise kostengünstig untestützt, erleichtert, zu Zwecken des Standortmarketings genutzt und vor allem auch einfach wertgeschätzt werden. Darüber hinaus ist es für eine wachsende Stadt mit Zentrumsfunktion wie Olten unabdingbar, eine strategisch kohärente und langfristige Kulturpolitik zu betreiben. Eine „Fachstelle Kultur“ wäre ein grosser, weiterer Schritt in diese Richtung.

Die FDP.Die Liberalen Olten finden das keine gute Idee und zwar so fest nicht, dass sie morgen nicht nur dagegen stimmen werden, sondern sogar mit zwei Mitteln dagegen ankämpfen:

  1. mit einem „indirekten Gegenvorschlag“, wie die Partei es nennt. Anstelle einer Fachstelle soll die städtische Leistungsvereinbarung mit Region Olten Tourismus ausgebaut und eine neue Leistungsvereinbarung mit dem Kultur- und Stadtmagazin KOLT Magazin geschlossen werden. Das erfülle den gleichen Zweck, meint sie, und zwar erst noch zum Drittel der Kosten.

  2. mit einem Zusatzantrag zur Abstimmung über die Fachstelle, welcher vorsieht, dass bei Annahme der Fachstelle die Lohnkosten im Kulturbereich in den nächsten Jahren nicht ansteigen dürfen. Was das heisst ist klar: Wird der Zusatzantrag angenommen, käme zwar die Fachstelle, jedoch auf Kosten des Personals in einem der städtischen Museen oder der Bibliotheken.

Das Ziel ist klar: die „Fachstelle Kultur“ mit allen Mitteln verhindern, notfalls auch, indem man versucht, die städtische Kulturszene zu spalten und der Bevölkerung vorzugaukeln, dass eine Fachstelle nur auf Kosten der übrigen Kultur zu haben sei. Der „indirekte Gegenvorschlag“ sagt: Wenn ihr wollt, dass das KOLT und dessen für die Oltner Kulturszene unschätzbar wichtige Arbeit unterstützt wird, lehnt die Fachstelle ab!“ Der Zusatzantrag sagt: „Wenn ihr nicht wollt, dass bei den Museen noch mehr gekürzt wird, dann lehnt die Fachstelle ab!“
Natürlich ist das falsch. Eine „Fachstelle Kultur“ muss nicht auf Kosten der Oltner Kulturszene finanziert werden oder höchstens im Weltbild derer, die der Überzeugung sind, dass die Oltner Kulturszene nicht mehr wert ist als das Geld, dass sie derzeit bekommt.

Olten Jetzt! Ist der Überzeugung, dass es Aufgabe einer Stadt wie Olten ist, das städtische Kulturschaffen nach besten Möglichkeiten zu unterstützen und eine weitsichtige Kulturpolitik zu betreiben. Eine „Fachstelle Kultur“ ist für uns ein gutes und erschwingliches Mittel dazu, getreu unseren Leitsätzen, zu ermöglichen anstatt zu verhindern und Eigeninitiativen zu unterstützen.

Daniel Kissling
(Gemeinderat Olten Jetzt & Vorstandsmitglied Pro Kultur Olten)

PS: Ganz persönlich bin ich der Meinung, dass es beispielsweise eine wunderbare erste Aufgabe der „Fachstelle Kultur“ wäre, in Zusammenarbeit mit „Ausgehen in Olten“ und KOLT (für welches ich übrigens regelmässig schreibe) Strategien zu entwickeln, wie das Oltner Kulturangebot noch besser präsentiert werden könnte.

Image Credit Ezra Comeau-Jeffrey