Man hört und liest immer mehr von "Gendern". Nebst den Befürworter*innen hört man aber auch oft laute Gegenstimmen. Doch was hat es mit der Problematik eigentlich auf sich?

Schlagzeilen wie “Machen Drohbürger unsere Demokratie kaputt?” oder “So vertreiben staatliche Schlägertrupps Migranten auf der Balkanroute” liest man zurzeit oft. Was haben diese zwei Schlagzeilen gemeinsam? Beide sind nicht geschlechtergerecht formuliert. Geschlechtergerechter Sprachgebrauch – also Gendern – ist nicht nur ein hochaktuelles Thema, sondern löst auch heftige Diskussionen aus. Die einen werden stinksauer, weil sie sich diskriminiert fühlen, die anderen verstehen deren Unmut nicht und finden das ganze einfach nur kleinlich und kompliziert.

Würden Sie, liebe*r Leser*in, es als kleinlich bezeichnen, wenn jemand darauf besteht, einen Apfel eben einen Apfel zu nennen und nicht eine Birne? Wohl kaum. Weil ein Apfel und eine Birne nicht dasselbe sind. Wie auch eine Frau, ein Mann und eine nicht-binäre Person nicht dasselbe sind. Gendern ist also nicht kleinlich. Es ist eine Art der Formulierung, die alle Geschlechtsidentitäten mitberücksichtigt.

Kompliziert kann es – zugegeben – im ersten Moment schon wirken. Es gibt inzwischen viele Möglichkeiten zu gendern. Aus Ärzte wird Ärztinnen und Ärzte, ÄrztInnen, Ärzt*innen, Ärzt!nnen, Ärzt_innen oder Ärzt:innen. Manche dieser Arten berücksichtigen nur männliche und weibliche Personen, andere schliessen auch nicht-binäre Personen mit ein. Die Wichtigkeit liegt nicht unbedingt in der Art, wie man gendert. Wichtig ist nur, dass man gendert.

Deshalb möchte ich Sie dazu ermutigen, auch zu gendern. Probieren Sie die verschiedenen Arten aus. Sie vergessen es ab und zu? Kein Problem, das ist am Anfang normal. Durch das wiederholte Anwenden wird es zur Gewohnheit und so steigt nicht nur Ihr Bewusstsein dafür, sondern auch das Ihres Umfelds. Gemeinsam können wir eine inklusive Gesellschaft schaffen, die nicht mehr nur männlich geprägt ist. Denn die Sprache und die Gesellschaft spiegeln sich gegenseitig. Ändert sich die Gesellschaft, dann auch die Sprache. Und ändern wir die Sprache, dann ändert sich auch die Gesellschaft.