In Olten vergleicht man sich gerne mit anderen Kantonen und Gemeinden. Wo hat es am meisten Sonnenschein, den schönsten Bahnhofplatz, den tiefsten Steuersatz? Antwort: NICHT in Olten. Die Vergleiche werden jeweils mit derselben Handlungsempfehlung begleitet: SPAREN! Sparen lockt Jeff Bezos nach Olten, macht den Bahnhof überflüssig (Bezos fliegt nur) und lässt die Sonne scheinen, sogar nachts.

Ich erlaube mir auch einen Vergleich, basierend auf einer Studie der CS vom Mai 2021 «So viel kostet ein Kitaplatz in der Schweiz – Kinderbetreuungskosten im regionalen Vergleich».

Laut dieser ist externe Kinderbetreuung für eine «normale» Familie in der Westschweiz 4–5x günstiger als in vielen solothurnischen Gemeinden. Einen solch krassen Preisunterschied gibt es weder bei Mieten noch KK-Prämien oder Steuern. Klar, die günstigen Preise sind nur möglich, weil der böse welsche Staat den freien Markt mit Subventionen verzerrt.

Solche Interventionen sind bekanntlich Gift für die Wirtschaft, weshalb alle Firmen längst aus der Westschweiz abgewandert sind. Der grösste Schweizer Nahrungsmittelmulti z. B. hat seinen Hauptsitz in Wangen b. Olten und nicht etwa in Vevey. Die Arbeitslosigkeit beträgt fast 100% und die perspektivlosen Romands fangen schon am Vormittag an, ihren Chasselas zu saufen. Nur dank des Röstigrabens konnten wir uns bis jetzt vor den Horden Wirtschaftsflüchtlingen aus der Romandie retten.

Im Ernst – die Romandie zeigt uns, dass der Staat Betreuungsangebote finanzieren und die Erwerbstätigkeit bei Frauen verbessern kann; was Wirtschaft und Gesellschaft nützt. Wir sollten dies nachahmen. Standortattraktivität ist mehr als der Steuerfuss. Bezos wird niemals in Olten seine Steuern (nicht) zahlen, aber wir können die Stadt attraktiver machen – für berufstätige Eltern und für Firmen (aka Wirtschaft), die sie anstellen.

Den Link zur Studie gibt es HIER

Dieser Text erschien orginal als Blickwinkel Kolumne in der NOZ vom 19.01.2022.