… wenn man's trotzdem macht
Warum sind wir hier? – Diese Frage stelle ich mir oft, wenn ich im Oltner Parlament sitze.
Wir alle haben doch zu viele Dinge im Leben – Arbeit; Freunde, Familie und Partner:innen; Hobbys; und zu wenig Zeit.Ich engagiere mich im Parlament, nicht, weil ich eine politische Karriere verfolge oder meinem Ego schmeicheln will. Und ich glaube, es geht vielen im Parlament ähnlich.Warum sind wir denn hier? Weil wir Lust haben, etwas zu bewirken, uns für Sachen einzusetzen, die uns persönlich wichtig sind. Mich z.B. interessiert, wie wir die Lebensumstände von Menschen am Rande der Gesellschaft verbessern können. Andere möchten solide Finanzen oder das Drogenproblem lösen – unspektakuläre, aber wichtige Herausforderungen, bei denen Lösungswege unklar oder unbeliebt sind, und Erfolge ungewiss.
Dann sitze ich im Parlament und mich dünkt, dass wir, oft auch ich, zwar viel reden, aber weder zuhören noch von der vorgefertigten Meinung abweichen wollen. Es entsteht kein Konsens darüber, wie schwierige Probleme zu lösen sind. Solide Mehrheiten gibt es bloss bei unumstrittenen Kleinigkeiten.
Das Signal an die Exekutive: Einen Konsens für die Lösung dringender Probleme gibt es aktuell nicht.
Man verwaltet statt zu gestalten. Damit lassen sich aber keine Herausforderungen meistern, und davon gibt es immer mehr. Darum müssen wir dringend mutiger sein – Themen ansprechen statt ignorieren; der anderen Seite zuhören und mit guten Argumenten nicht nur überzeugen, sondern uns auch von ihnen überzeugen lassen, um gemeinsam Lösungen zu finden, selbst wenn's einem Angst macht, der Gegenseite Recht zu geben. Vielleicht ist das Problem doch zu gross, vielleicht scheitert man, aber Politik und Leben ist, wenn man's trotzdem macht.
Warum sind wir hier? Ich nehme mir vor, dieser Frage gerecht zu werden und für meine Vorstösse die Gegenseite mit ins Boot zu holen, damit wir zusammen auch schwierige Probleme anpacken. Ich freue mich darauf.