Wenn alles klappt, dann bewilligt das Oltner Gemeindeparlament am Mittwoch einen Kredit über drei Millionen Franken zur Attraktivierung des Ländiwegs. Der neugestaltete Ländiweg soll 2022 eröffnet werden.

Andaare – ein gut zugänglicher Aareraum im Zentrum der Stadt Olten

Im Oktober 2011 bewilligte die Oltner Stimmbevölkerung einen 25-Millionen-Kredit zur Umsetzung des Andaare-Projektes. Kurz darauf brachen die Gewinne des Alpiq-Konzerns ein – was zu einem massiven Rückgang der Steuereinnahmen der Stadt Olten führte. Angesichts der angespannten Finanzlage entschied der Stadtrat im Jahr 2013, das Andaare-Projekt vorläufig nicht umzusetzen. Der von der Stimmbevölkerung bewilligte Kredit verfiel dann nach fünf Jahren und damit wurde auch das Projekt Andaare automatisch beerdigt.

Visualisierung des Ländiweg im Andaare Projekt von 2011

Die Bohrpfahlwand

Inzwischen hat sich die finanzielle Situation wieder etwas entspannt. Viele Ideen aus dem Andaare-Projekt sind in die Planung des neuen Bahnhofplatzes eingeflossen. Nicht weiter verfolgt wurde jedoch die Attraktivierung des Ländiwegs.

Erst im Herbst 2017 gab es wieder Anzeichen, dass sich diesbezüglich etwas bewegt: Die Stadt lud zu einem Austausch in Sachen Ländiweg ins Stadthaus ein.  Der Leiter des städtischen Tiefbauamtes erläuterte die Pläne des Kantons, die Strasse oberhalb des Ländiwegs zu erneuern. Die Strasse müsse gesichert werden, sonst drohe sie im Laufe der Zeit in die Aare abzurutschen. Dies soll mittels einer neu zu erstellenden Bohrpfahlwand geschehen. Dabei werden lange Bohrpfähle aus Beton vom Niveau der Strasse bis unter das Flussbett der Aare versenkt. Dadurch sind die Wiesenböschung und auch die Mauer beim Ländiweg als tragende Elemente nicht mehr notwendig und können entfernt werden. So wird die gestaltbare Fläche des Ländiwegs auf einen Schlag bis zu sieben Meter breit. Leider konnte der Kanton wegen Einsprachen das Bauprojekt nicht wie geplant im Frühjahr 2018 starten und so fiel das Ländiweg-Dossier auch bei der Stadtverwaltung Olten wieder in den Tiefschlaf.

Damit der Ländiweg nicht ganz in Vergessenheit gerät, hat das Parlament im März 2018 die Motion betreffend Attraktivierung des rechten Aareufers mit einem Kostendach von vier Millionen mit 20 zu 15 Stimmen gegen den Willen des Stadtrates für erheblich erklärt. Damit wurde der Stadtrat beauftragt, dem Parlament eine Vorlage zu unterbreiten, wie der Ländiweg attraktiver gestaltet werden kann.

Das Projekt zur Neugestaltung des Ländiwegs

In der Zwischenzeit hat der Kanton das Problem mit den Einsprachen gegen die Sanierung der Kantonsstrasse pragmatisch gelöst: Das Projekt wurde auf der Höhe des Postplatzes geteilt. Der Teil vom Postplatz in Richtung Aarburg ist nach wie vor durch Einsprachen blockiert, der Teil vom Postplatz zum Bahnhof kann im Herbst 2020 mit dem Ausbau des Abschnitts auf der Höhe des Ländiwegs gestartet werden.

Im Mai 2020 hat der Stadtrat ein Projekt zur Attraktivierung des rechten Aareufers präsentiert. Mit Baubeginn im Herbst 2021, nach Fertigstellung der Bohrpfahlwand durch den Kanton, soll der Ländiweg umgestaltet werden.

Zustand Phase 1 mit Böschung auf Niveau der Ufermauer-Oberkante

Nach den Plänen des Stadtrates wird in einer ersten Phase ab 2021 die Böschung bis auf das Niveau der Ufermauer-Oberkante abgetragen. Ein 30 Meter langer Bereich soll dabei für die Benutzung durch die Bevölkerung mit einer Pergola und Sitzmöbeln ausgebaut werden – Kosten Phase 1: 690'000 Franken.

Zustand Phase 2 mit abgetragener Ufermauer

In einer zweiten Phase ab 2026 wird die Ufermauer abgetragen. Der Ländiweg wird durchgehend auf sieben Meter Breite angelegt und attraktiv gestaltet. Der Zugang zum Wasser soll mit einem grossen Floss ermöglicht werden. Dies für 2.9 Millionen Franken, wobei mit einem Beitrag des Bundes von bis zu einer Million Franken gerechnet wird.

Drei grosse Probleme im Projekt

Auf den ersten Blick wirkt das Projekt des Stadtrates sehr attraktiv und hat auch entsprechend positive Reaktionen in der Bevölkerung ausgelöst. Bei näherer Betrachtung zeigen sich jedoch drei grosse Probleme:

  1. Der Grossteil der Böschung kann nach wie vor nicht genutzt werden.
    In der Phase 1 werden lediglich 30 Meter der Uferböschung (von 120 Metern insgesamt) für die Allgemeinheit zugänglich gemacht. Dadurch wird das "Hauptproblem" des Ländiwegs – die engen Platzverhältnisse – weiterhin nicht nachhaltig gelöst. Ein Ausbau auf der ganzen Länge des Ländiwegs würde mit 310'000 Franken zusätzlich zu Buche schlagen.
In Phase 1 würden lediglich 30m der Uferböschung erschlossen.
  1. Zwei Drittel der Investitionen aus Phase 1 gehen bei Phase 2 verloren.
    Bei der Realisation von Phase 2 werden zwei Drittel der Investitionen in Phase 1 wieder vernichtet. Rund 400'000 Franken, die in die Gestaltung des Geländes auf Niveau Oberkante Ufermauer investiert wurden, gehen verloren, da in Phase 2 die Ufermauer auf die Höhe des Ländiwegs abgetragen wird.

  2. Der Ländiweg ist kein Veloweg!
    Um für Phase 2 Subventionen aus dem Agglomerationsprogramm des Bundes zu erhalten, wurde eine Velo-Verbindung vom Bahnhof via Ländiweg zur alten Brücke geplant. Ob und wie viel der Bund zahlen wird, ist jedoch ungewiss –und im Zusammenhang mit der neuen Langsamverkehr-Brücke beim Bahnhof macht eine Veloverbindung via Ländiweg wenig Sinn. Aus den Visualisierungen des neuen Bahnhofplatzes hier und hier jedenfalls geht nicht hervor, wie die Velos überhaupt auf den Ländiweg gelangen sollen, ohne dabei einen anspruchsvollen Hindernisparcours zu überwinden.

Der Befreiungsschlag: Phase 2 ohne Floss – jetzt!

In der Gemeindeparlamentssitzung vom nächsten Mittwoch kommt der Antrag des Stadtrates zur Ausführung von Phase 1 zur Abstimmung. Es ist davon auszugehen, dass der Kreditantrag über 690'000 Franken angenommen würde. Nur – unsere Freude darüber ist aufgrund der oben beschrieben Probleme reichlich getrübt.

Glücklicherweise hat die Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Gemeindeparlaments am vergangenen Dienstag einen mutigen und zukunftsweisenden Antrag formuliert, mit dem die Probleme der Phase 1 behoben werden. Die GPK beantragt dem Parlament, anstelle von Phase 1 direkt die Phase 2 umzusetzen und dafür einen Kredit von drei Millionen zu sprechen. Das Floss auf der Aare würde dabei aus der Phase 2 entfernt, denn dafür braucht es ein aufwendiges Nutzungsplanverfahren, was wiederum zu einer Verzögerung des Projektes führen würde. Der Stadtrat kann den Bau des Flosses später in einem separaten Projekt angehen. Mit Kosten von rund 300'000 Franken liegt dies in der Finanzkompetenz des Stadtrates, so, dass kein weiterer Parlamentsbeschluss notwendig ist.

Phase 2 ohne Floss

Wenn Phase 2 jetzt schon ausgeführt wird, können zwar die potenziellen Subventionen aus dem Agglomerationsprogramm nicht beansprucht werden, da dieses erst 2025 in Kraft tritt, dafür werden 400'000 Franken aus Phase 1 eingespart und der neu gestaltete Ländiweg ist schon im Herbst 2022 fertiggestellt.

Zudem kann der Fokus bei der Gestaltung des neuen Ländiwegs auf die Aufenthaltsqualität gelegt werden. Da keine Subventionen aus dem Agglomerationsprogramm fliessen, muss auch keine künstliche Veloverbindung via Ländiweg konstruiert werden.

So erhält die Oltner Bevölkerung rund zehn Jahre nach dem positiven Andaare-Entscheid doch noch ein neu gestaltetes Aareufer. Dank indirekter Beteiligung des Kantons sogar zu wesentlich niedrigeren Kosten als ursprünglich veranschlagt.

Das einzige, was nun noch fehlt, ist die Zustimmung des Gemeindeparlaments zum Antrag der GPK. Die Sitzung des Gemeindeparlaments findet auch am Mittwoch noch ohne Zuschauer*innen statt, aber wir werden wiederum live auf Facebook aus der Debatte berichten.

Update 24.6.2020 22 Uhr – Das Parlament hat dem Antrag der GPK zugestimmt.

Ländiweg im Juni 2020


Wir freuen uns über Diskussionsbeiträge auf unserem Facebook-Post.

Olten jetzt
Wenn alles klappt, dann bewilligt das Oltner Gemeindeparlament am Mittwoch einen Kredit über drei Millionen Franken zur Attraktivierung des Ländiwegs. Der neugestaltete Ländiweg soll 2022 eröffnet...

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