In den grossen Städten in attraktiver «Pendlerdistanz» rund um Olten werden gegenwärtig alle Liegenschaften sukzessive mit Glasfaservernetzung und damit super-schnellem Internet erschlossen. Doch nicht nur die Grossstädte, auch kleinere Gemeinden wie zum Beispiel Däniken, Oftringen und Aarburg investieren in die digitale Zukunft.

In Orten mit Glasfaservernetzung steht in jeder Wohneinheit aus technischer Sicht fast unbeschränkte Bandbreite zur Verfügung. Die Benutzer können ihren Anbieter selber wählen und da die Anbieter direkten Zugriff auf die Glasfaser haben, können die Anbieter die Internet-Geschwindigkeit selber festlegen. Üblich sind heute Angebote von 1 GBit/s Upload und Download. Einzelne Anbieter, unter anderen Salt, bieten heute schon 10 GBit/s Verbindungen an. Technisch sind noch bedeutend höhere Geschwindigkeiten möglich; der Weltrekord steht aktuell bei 661 TBit/s über eine einzige Glasfaser. Dies ist eine Million Mal schneller als die Übertragungsleistung, welche die Swisscom mit ihrem aktuellen “Fiber to the Street” Projekt in Olten maximal anbieten kann.

Manche fragen sich vielleicht, ob das Internet nicht jetzt schon schnell genug sei. Netflix, Swisscom TV, WhatsApp, Google,... alles funktioniert doch wunderbar. Das stimmt - für die Anwendungen von heute. Wobei zum Beispiel ein 4k-Film unkomprimiert 12 GBit/s brauchen würde und nur dank ausgeklügelter Technik auf 20 MBit/s komprimiert werden kann, um durch unsere langsamen Netze gestreamt zu werden. Natürlich gehen bei der Kompression viele Daten verloren, was sich negativ auf die Bildqualität auswirkt. Auch Anwendungen wie Videokonferenzen mit mehreren Teilnehmenden funktionieren heute nicht zuverlässig mit HD-Video, weil die zur Verfügung stehende Bandbreite viel zu klein ist.

4k-Filme und Video-Chat sind Anwendungen, die heute bereits verfügbar sind. Mit einer Glasfaservernetzung werden jedoch auch neue Anwendungen möglich sein. Zum Beispiel beim Arbeiten im Homeoffice mit der gleichen Geschwindigkeit wie im Büro, und dies auch dann, wenn man einmal einige grossen Dateien benötigt und die Tochter zur selben Zeit ein neues Game auf die Playstation herunterlädt.

Um die Thematik in einen grösseren Kontext zu stellen: Vor etwa hundert Jahren hiess das “Vernetzungs-Thema'” nicht Telekommunikation, sondern Strom. Dieses “Strom-Zeug” war eine neue Technologie, mit der sich die Leute noch nicht auskannten. Für Licht kann man den Strom brauchen, das war bekannt. Aber es war auch umstritten, ob normale Leute zu Hause diesen Luxus überhaupt benötigen (!), «eine Kerze tut's doch auch».

Die ersten Stromnetze waren daher nicht für grosse Leistungen ausgelegt, so dass es lediglich möglich war, Licht damit zu betreiben. Geräte mit grösserem Energiebedarf konnten nicht angehängt werden, da nicht genügend Energie geliefert werden konnte. Zu dieser Pionierzeit wurde das gar noch nicht als Problem erkannt, konnten sich doch die wenigsten Leute unter einem Föhn, einem Mixer, einem Tiefkühler, einer Geschirrspülmaschine oder einer Waschmaschine etwas Konkretes vorstellen. Erst als in den Haushaltungen eine genügend leistungsfähige Stromversorgung  zur Verfügung stand, konnten all’ diese Geräte überhaupt Verbreitung finden.

Ähnlich verhält es sich mit der Glasfaservernetzung. Alles, was vorher in Gebrauch war, bestand aus technologischen Basteleien mit dem Ziel, aus bestehenden Telefon- und Fernsehkabeln das letzte Quäntchen Leistung herauszukitzeln. Und natürlich wehren sich diejenigen, welche die Vorgänger-Technologien kontrollieren und damit gute Profite machen, mit Händen und Füssen dagegen, durch eine neue Technologie überflüssig gemacht zu werden. Das war damals mit den Stromnetzen "nur für Licht" nicht anders. Aus jener Zeit stammen die vielen städtischen Elektrizitätswerke, weil die Städte und Gemeinden erkannten, dass sich die elektrische Energie immer mehr zu einem zentralen Erfolgsfaktor entwickeln wird und dass die privaten Licht-Strom-Versorger kein Interesse daran hatten, in ihre Netze zu investieren und eine flächendeckende Versorgung mit elektrischer Energie sicherzustellen.

In der Schweiz werden aktuell die Glasfasernetze "bis ins Haus" nach einer Vorgabe des Bakom gebaut, die vorschreibt, dass wer auch immer ein solches Netz baut, es anderen Anbietern öffnen muss. Der Netzeigner muss die einzelnen Glasfasern direkt an Internetanbieter vermieten. Das ist eine Regelung, die den Konsumentinnen und Konsumenten maximale Wahlfreiheit garantiert und einen gesunden Wettbewerb unter den Anbietern gewährleistet. Aus der Sicht von Netzbetreibern mit monopolistischer Tradition gilt das nicht als erstrebenswert. So hat es die Swisscom geschafft, den entsprechenden Artikel 11c aus dem neuen Fernmeldegesetz streichen zu lassen.

Ich bin davon überzeugt, dass die Stadt mit der besten ÖV-Anbindung der Schweiz auch im Internetbereich auf den Stand der Technik gebracht werden sollte. Nicht zuletzt aus wirtschaftlicher Sicht wird die Qualität der Internetanbindung zunehmend zu einem zentralen Standortfaktor, nicht nur für Unternehmen, sondern auch für Privatpersonen im Hinblick auf die wachsenden Homeoffice- und Unterhaltungsmöglichkeiten.

Ich habe Ende 2018, gemeinsam mit anderen Parlamentsmitgliedern, eine Motion eingereicht mit dem Ziel, die Statuten der Städtischen Betriebe Olten (SBO) so zu verändern, dass die SBO in Zukunft nicht nur für das Wasser, Strom und Gasnetz in Olten zuständig sind, sondern auch für eine flächendeckende Glasfaservernetzung.

Das Anliegen stiess leider beim Stadtrat nicht auf offene Ohren. In der Antwort des Stadtrates, die abschlägig ausgefallen ist, fallen einige sachliche Unkorrektheiten auf, die es richtig zu stellen gilt:

  1. In Olten besteht aktuell kein flächendeckendes schnelles Glasfasernetz zu den einzelnen Haushalten. Die Swisscom baut in Olten ein “Fiber to the Street” (FFTS) Netz, um, was die Geschwindigkeit betrifft, mit ihrem Angebot nicht mehr meilenweit hinter der UPC hinterherzuhinken. Sowohl Swisscom wie auch UPC sind jedoch sind mit ihrem Angebot viele tausendmal langsamer als das, was mit einem Glasfasernetz technisch möglich ist. Einzig in Olten SüdWest steht heute schon "Fiber to the Home" (FTTH) zur Verfügung.
  2. 5G ist kein Ersatz für ein FTTH Glasfasernetz Einerseits kann der Provider nicht frei gewählt werden, andererseits stehen über die von der Swisscom ersteigerten 5G Frequenzen maximal 1.2 GBit/s pro 5G Sender zur Verfügung, also etwa gleichviel, wie mit Glasfaser in jedem Haushalt exklusiv bereitsteht. Die 1.2 GBit/s-Bandbreite müssen sich bei 5G  jedoch alle Menschen in Reichweite eines Senders teilen. Wie sich das auswirkt, lässt sich beispielsweise live erfahren, wenn man versucht, an einem Openair, im Skirestaurant oder an der Chilbi eine Whatsapp-Nachricht zu schreiben oder etwas zu googeln. Zudem ist der Aufbau neuer 5G Mobilfunksendeanlagen umstritten, da in der Bevölkerung verbreitet Bedenken bezüglich der Strahlenbelastung bestehen. Glasfaser ist in dieser Hinsicht unproblematisch, weil bei dieser Technologie keinerlei elektromagnetische Strahlung entsteht.
  3. Wenn wir in den SBO-Statuten die Verantwortung für Glasfaservernetzung verankern, dann müssen wir nicht zwingend auch einen Kredit für den Aufbau sprechen. Die SBO kann die finanziellen Mittel, falls nötig, selber aufnehmen oder gemeinsam mit einem Partner den Aufbau des Netzes organisieren.
  4. Die Betriebskosten eines Glasfasernetzes bei dem die "nackten" Glasfasern direkt vermietet werden, bewegen sich nicht im Rahmen von 12-15% der Investitionskosten. Da ein solches Netz lediglich aus passiven Komponenten (Glasfasern) besteht, gibt es weder Abnutzung noch die Notwendigkeit, fortlaufend technische Geräte zu ersetzen. Für ein Netz in Olten ist mit jährlichen Kosten von etwa einer halben Stelle zu rechnen, was etwas weniger als ein halbes Prozent der Gestehungskosten ausmacht.

Im Gegensatz zur SBO und dem Oltner Stadtrat scheinen andere Leute erkannt zu haben, dass Glasfaservernetzungen eine extrem sichere und nachhaltige Investition sind (hier und hier). Die englische Arcus Infrastructure Partners zum Beispiel hat kürzlich die Swiss4net gekauft. Swiss4net baut und betreibt offene Glasfasernetze in Chiasso und Baden und ist mit weiteren lokalen Energieversorgern in Verhandlung. Besonders attraktiv für klamme Stadtkassen ist dabei, dass Swiss4net mit seinen Investoren die gesamten Baukosten trägt.

Mir persönlich wäre es natürlich lieber, wenn die SBO das Glasfasernetz selber besitzen würde und es somit indirekt unter der Kontrolle der Stadt stünde. Aber eine Zusammenarbeit mit Swiss4net tönt auch interessant, insbesondere da Swiss4net schon erfolgreich zwei städtische Glasfasernetze in der Schweiz betreibt und auch gleich die Finanzierung sicherstellt.

Die Behandlung der Motion ist im Parlament für Donnerstag 28.3.2019 geplant. Die Sitzungen des Oltner Gemeindeparlaments sind öffentlich. Gäste sind willkommen.

Photo by Sander Weeteling