Seit Jahren ist es unbestritten: Olten braucht mehr Schulraum. Im Jahr 2018 begann der Stadtrat endlich damit, das Projekt aufzugleisen. Das Parlament war gefragt, einen Standortentscheid für das neue Schulhaus zu fällen.

Entscheid #1: Schulhaus kommt ins Kleinholz

Im Januar 2018 entschied das Parlament, dass das neue Schulhaus im Kleinholz gebaut wird, und dass der Standort Hübeli aufgegeben wird. Damals nahm auch die leidige "Das Schulhaus kostet nur 9 Millionen"-Geschichte ihren Anfang. In den Unterlagen, die der Stadtrat dem Parlament unterbreitet hatte, war das neue Schulhaus aus unerfindlichen Gründen mit einem Fantasiepreis von 9 Millionen aufgeführt. Die 9 Millionen waren nämlich nicht der Preis für ein neues Schulhaus, sondern der Betrag, der vor zehn Jahren in Wohlen für die Renovation der alten Kantonsschule ausgegeben worden war. Details zu der Tragödie gibt es hier nachzulesen.

Entscheid #2: Schulhaus für 16 Klassen, Tagesstrukturen, Dreifachturnhalle

Im Herbst 2018 wurde es dann konkret. Das Parlament hatte über die Planungsvorgaben für das neue Schulhaus zu entscheiden. Was die Kosten-Vorhersage betrifft, gab es für viele ein böses Erwachen. Kurt Schneider, der neue Leiter der Direktion Bau, hatte mit dem 9 Millionen-Märli aufgeräumt. Das Schulhaus wurde nun auf 21 Millionen geschätzt und die passende Dreifach-Turnhalle auf 10 Millionen. Dies bei einer Kostengenauigkeit von +/- 25 %. In Bericht und Antrag des Stadtrates wurde auch explizit erwähnt, dass die Schadstoffbelastung des Baugrundes beim ehemaligen Schiessstand zu weiteren, noch nicht näher bezifferten Kosten führen kann.

Das Parlament akzeptierte die neue Realität und lehnte einen Rückweisungsantrag der FDP mit 26 : 9 Stimmen bei 3 Enthaltungen ab. Auch ein Antrag der SVP, ein Kostendach von 25 Millionen für das Schulhaus mit Turnhalle zu beschliessen, wurde mit 25 : 13 Stimmen abgelehnt. Das Parlament entschied schliesslich mit 34 : 0 Stimmen bei 4 Enthaltungen, dass eine Schulanlage für 16 Klassen (einstimmig), Tagesstrukturen (33 : 5) und mit einer Dreifach-Turnhalle (27 : 11) geplant werden soll.

Damit war der "Einkaufszettel" geschrieben, und der Stadtrat lancierte, wie bei solchen Projekten üblich, einen Architekturwettbewerb. Darin waren die vom Parlament beschlossenen Planungsvorgaben enthalten und ein Kostenrahmen von maximal 31 Millionen vorgegeben.

Im Herbst 2019 war es dann so weit: Die Jury bewertete die fünfzehn eingereichten Projekte. Deren sechs erfüllten die gestellten Kriterien. Das Projekt “windmolen von neff neumann architekten aus Zürich gewann den ersten Preis. “Windmolen sei ein hervorragender Entwurf, wurde betont, sowohl aus pädagogischer wie auch architektonischer Sicht.

Sechs Architektenteams sagen: Das Schulhaus, das ihr wollt, kostet 44 Millionen

Ein Problem jedoch bestand: der Preis. Das Schulhaus würde nicht wie gewünscht 31 Millionen kosten, sondern um die 44 Millionen. Die Kostengrobschätzungen der sechs Projekte, die nach der Vorprüfung noch übrig waren, lagen alle zwischen 42 und 46 Millionen.

Offensichtlich ist es so, dass das, was das Parlament auf den Schulhaus-Bestellzettel geschrieben hatte, nicht ganz so günstig zu kriegen ist wie angenommen. Das Siegerprojekt “windmolen war mit einer Kostengrobschätzung von 41,6 Millionen das günstigste der sechs Wettbewerbseingaben, die in die engere Auswahl gekommen waren.

Nach Optimierung liegt die Kostengrobschätzung bei 35 Millionen

Nun begann die Baudirektion in Zusammenarbeit mit der Schuldirektion und dem siegreichen Architekturbüro, das Projekt zu optimieren, um die Kosten zu senken, und dabei die Planungsvorgaben aus dem Parlamentsbeschluss weiterhin einzuhalten. Die grösste Kosteneinsparung ergab sich daraus, dass die Klassenzimmerfläche von 75 m2 auf 72 m2 gesenkt wurde. Diese Rasterverkleinerung wirkte sich auch auf die Grösse anderer Räume und Freiflächen im Schulhaus aus. Mit dieser und diversen konstruktiven Massnahmen wie zum Beispiel der Wahl der Baumaterialien, konnte die Kostengrobschätzung auf 35 Millionen reduziert werden, sodass das Projekt schliesslich mit einem Preisschild von 35 Millionen bei einer Kostengenauigkeit von +/- 20 % dem Parlament für den nächsten Entscheid präsentiert werden konnte.

Entscheid #3: Schulhaus wird geplant – Kredit 2 Millionen

Im Mai 2020 legte der Stadtrat dem Parlament einen Bericht und Antrag vor für einen Planungskredit von 2 Millionen zur Projektierung des neuen Schulhauses mit einer Dreifachturnhalle. Der Antrag des Stadtrates wurde einstimmig gutgeheissen.

Seither wurde unter der Leitung der Direktion Bau die Umsetzung des Projektes im Detail geplant und konkretisiert. Unterdessen hatte das Parlament in zwei erheblich erklärten Motionen beschlossen, dass sich auch die Stadt Olten in Richtung Netto-Null-CO2 auf den Weg machen soll. Zudem wurden die Kostenfolgen der Altlasten des ehemaligen Schiessstandes auf dem Bauplatz konkret. Der Aushub würde eine Spezialbehandlung benötigen. Auf der Kostenseite wurden weitere Optimierungen vorgenommen: Nutzflächen wurden kombiniert, die technische Ausstattung reduziert, die Lüftung auf Normalbetrieb optimiert, gute Ausleuchtung mit Tageslicht sichergestellt und die Unterkellerung auf das betrieblich erforderliche Mass reduziert. Bei allen Optimierungen wurde immer sichergestellt, dass die Bestellung des Parlamentes mit ihren raumplanerischen und pädagogischen Anforderungen vom Herbst 2018 weiterhin eingehalten werden kann.

Das Parlament hat bisher noch nichts zu den Kosten entschieden

Bis zu diesem Zeitpunkt hat das Parlament noch keinen Baukredit beschlossen, sondern lediglich Anforderungen bezüglich Standort und Funktion des neuen Schulhauses festgelegt. Die in den Vorlagen enthaltenen Kostenschätzungen basierten auf dem jeweiligen Konkretisierungsgrad des Projektes. Nach Abschluss der Planung im März 2021 beläuft sich nun die Kostenschätzung auf 39,8 Millionen bei einer Genauigkeit von +/- 15%.

Das fertig geplante Schulhaus kostet 39,8 Millionen +/- 15 %

Am 25. März 2021 entscheidet nun das Parlament über den Verpflichtungskredit in der Höhe von 39,8 Millionen zum Bau des neuen Schulhauses mit Dreifachturnhalle respektive 27 Millionen, falls die Turnhalle nicht gebaut wird.

Falls das Parlament ja sagt, hat die Oltner Stimmbevölkerung am 13. Juni das letzte Wort.

Der Preis ist gerechtfertigt, und wir können uns das leisten

Seitdem Bericht und Antrag des Stadtrates veröffentlicht wurden, gab es in den Medien und auf Facebook verschiedene Posts mit dem Tenor: "Klar, das Schulhaus brauchen wir, aber nicht für den Preis". Fordern kann man das natürlich, die Realität sieht jedoch so aus: Ein Schulhaus mit den geforderten Eigenschaften wird wohl schlicht und einfach mit etwa 40 Millionen zu Buche schlagen. Dies zeigt auch ein Vergleich mit ähnlichen Projekten, die in den letzten Jahren umgesetzt wurden.

"Olten kann sich ein solches Luxusschulhaus nicht leisten", ist ein anderer Einwand, der des Öfteren zu lesen ist. Das Schulhaus im Kleinholz ist jedoch kein Luxusbau, wie der Vergleich mit den anderen Wettbewerbseingaben zeigt. Zudem wurde es intensiv optimiert und die Kosten wurden entsprechend reduziert, ohne bei der Funktion signifikante Abstriche zu machen.

Zur Finanzierung des Projektes ist im Antrag des Stadtrates zu lesen, dass das Projekt die Erfolgsrechnung der Stadt mit rund 2 Millionen pro Jahr belasten wird. Darin enthalten sind die Abschreibung der Baukosten, der betriebliche und bauliche Unterhalt sowie die Zinskosten. Zwei Millionen machen rund 2 % des Budgets der Stadt Olten aus und sind insofern problemlos zu verkraften.

In Realität gibt es dann vermutlich noch das eine oder andere Schnäppchen

Zu den wirklichen Kosten des Schulhauses ist noch anzumerken, dass bisher noch keine konkreten Verträge abgeschlossen werden konnten. Ohne Verpflichtungskredit ist dies nicht möglich. Da jedoch in den letzten Monaten in der Region etliche Grossprojekte aufgrund der Coronasituation sistiert wurden, ist damit zu rechnen, dass Olten sehr vorteilhafte Angebote für die Arbeiten erhalten wird.

Ein Projekt mit Strahlkraft

Das Schulhaus Kleinholz ist ein Generationenprojekt, mit welchem Olten die Chance hat, ein dynamisches Quartier deutlich aufzuwerten. Das Projekt wird einen profunden Effekt auf das Image unserer Stadt haben, es sendet ein klares Signal an die Region: Olten ist handlungsfähig und schafft Mehrwerte. Die neue Schule wird auch deutliche Auswirkungen darauf haben, ob im Kleinholz und in angrenzenden Arealen Private weiter in guten Wohnraum investieren und somit auch zur Verbesserung des Oltner Steuersubstrates beitragen.