Im April wurde Nils Loeffel in den Oltner Stadtrat gewählt. Seit dem 2. August amtet er nun offiziell als erster Stadtrat von Olten jetzt!. Aus diesem Anlass haben wir ihm ein paar Fragen gestellt.

Nils, seit einer Woche bist du Stadtrat. Ende Juli hast du dein Büro bezogen. Was hast du in das Stadtrats-Büro mitgenommen? Und was hängt an deiner Wand?

Mitgenommen habe ich relativ wenig. Zuhause hatte ich einen Ordner mit einigen Unterlagen zu den Wahlen und vor allem mit Gratulationskarten und Briefen. Den habe ich ins Büro mitgenommen. Zusätzlich mitgebracht habe ich ein paar Parlamentsunterlagen, die ich als Präsident von Olten jetzt! in den letzten Jahren zugeschickt bekommen habe. Vor allem die Unterlagen zum Budget und zur Rechnung der Stadt.

Im Büro hängt ein Bild vom König von Olten. Sonst ist es noch immer karg. Raphi und ich werden aber diese Woche im Kunstmuseum vorbeigehen. Wir dürfen uns da nämlich was aussuchen. Zudem werde ich mit dem Werkhof schauen, dass es noch etwas grüner wird im Büro!

Worauf hast du dich im Vorfeld auf deinen neuen Job als Stadtrat am meisten gefreut?

Auf meine Direktion und die Menschen, die dort arbeiten. Und auf die Zusammenarbeit im neu zusammengestellten Stadtrat.

Was hat dich in der ersten Woche am meisten überrascht?

Überrascht hat mich in der ersten Woche nichts. Gefreut habe ich mich darüber, dass ich mit offenen Armen im Stadthaus empfangen wurde und über die grosse Unterstützung, die ich in der Verwaltung bereits erfahren durfte.

Ein konkretes Erlebnis?

Ich will da gar nicht ein konkretes Erlebnis hervorheben. Es ist vielmehr die Hilfsbereitschaft aller Mitarbeitenden, die vom ersten Tag an zu spüren war. Dabei geht es vor allem um kleine Dinge. Wo komme ich mit meinem Schlüssel überall hin? Wie komme ich zu einem Locher? Wie funktioniert das mit dem Drucker? Aber auch für die Einführung in die Direktion haben sich alle Zeit genommen und mich super begleitet. Der Start wurde mir einfach gemacht.

Etwas Praktisches: Du hast als Stadtrat ein 30 Prozent-Pensum. Wie funktioniert das konkret?

Das weiss ich auch noch nicht so genau. Klar ist, dass ich jeden Montag und immer am Freitagnachmittag fix im Stadthaus anzutreffen bin. Es ist aber natürlich so, dass auch ausserhalb dieser Tage Arbeit anfällt. Seien dies wichtige Termine, die nicht auf diese Tage gelegt werden können, oder kurzfristige Aufgaben die in der Direktion erledigt werden müssen. Hier werde ich ausprobieren müssen, wie das funktioniert. Es ist aber auch klar, dass diese 30 Prozent sicher eher knapp bemessen sind für das Amt.

Du hast bisher 80 Prozent beim Kanton gearbeitet und warst auch ehrenamtlich sehr aktiv. Geht das alles unter einen Hut?

Ich habe aufgrund meiner Wahl in den Stadtrat mein Pensum beim Kanton reduziert. Hier gilt es nun herauszufinden, wie das nebeneinander funktioniert. Ich bin aber überzeugt, dass es möglich ist.

Das ehrenamtliche Engagement habe ich massiv zurückgefahren und werde dies auch weiter tun. Den grössten Teil meiner freien Zeit habe ich in den letzten Jahren für den Kulturverein Coq d’Or und das OltenAir aufgewendet. Beim Coq d’Or hat sich der Aufwand aus bekannten Gründen sowieso reduziert. Beim OltenAir sind wir aktuell noch auf der Suche nach einem Ersatz für mich im Vorstand. Die Aufgaben habe ich aber mehrheitlich bereits abgegeben. Ich lege den Fokus nun ganz klar auf mein Stadtratsamt.

Welche Aufgaben / Themen stehen für Dich jetzt konkret als Erstes an?

Bereits im Juli haben wir begonnen, das Regierungsprogramm für die Legislatur 2021–25 zu erarbeiten. Dann sind zwei Vorstösse aus dem Parlament hängig, die meine Direktion betreffen, und die nun noch beantwortet werden. Und der Budgetprozess ist zwar bereits weit fortgeschritten, aber das Budget wird uns in den nächsten Wochen trotzdem noch intensiv beschäftigen, bevor es im November im Parlament behandelt wird.

Welche Ziele hast du dir persönlich für die ersten 100 Amtstage gesetzt?

Anders als beim Präsident oder bei der Präsidentin der USA handelt der Stadtrat als fünfköpfiges Gremium. Deshalb wäre es auch vermessen, wenn ich mir grosse persönliche Ziele für die ersten 100 Amtstage setzen würde. In einer ersten Phase geht es für mich darum, die Menschen in der Direktion kennenzulernen, herauszufinden, was gut funktioniert, wo der Schuh drückt und wo Veränderung angesagt ist.

Politisch ist es mir sicher ein Anliegen, dass es mir gelingt, im Rahmen der Budget-Debatte die Wichtigkeit der verschiedenen Themen und Projekte im Bereich Bildung & Sport aufzuzeigen und den Rückhalt dafür im Parlament zu schaffen. Ich möchte in 100 Tagen sagen können, dass ich in der Direktion angekommen bin und erste Akzente setzen konnte.

Man sagt, ein Problem im Oltner Stadtrat sei die fehlende Auseinandersetzung zwischen den Mitgliedern. Die einzelnen Mitglieder würden sich möglichst nicht einmischen in die Bereiche der andern. Deine Meinung dazu?

Es ist immer einfach, von Aussen zu behaupten, dass jemand sich nicht mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Das Gleiche könnte ja manchmal auch über das Parlament gesagt werden. Ich persönlich habe die beiden ersten Sitzungen sowie die Workshops zum Regierungsprogramm sehr positiv erlebt. Die Auseinandersetzung mit den Themen findet vertieft statt, die Diskussionen werden intensiv geführt und um die Lösungen wird gestritten. Wie es in einem solchen Gremium sein muss.

Man muss sich schon bewusst sein: Jede Person, die sich für ein Stadtratsamt zur Verfügung stellt, will grundsätzlich das Beste für Olten. Damit muss man nicht immer einverstanden sein, aber grundsätzlich sollte man das Engagement wertschätzen.

Bisher hast du deine Meinung in den sozialen Medien immer mal wieder dargelegt. Auf der Nils Loeffel Page auf Facebook hast du in den letzten Tagen schon mehrere Posts als Stadtrat gemacht, gibt es nun eine Schere im Kopf?

Es ist mir ein Anliegen, auch als Stadtrat ich selber zu bleiben. Ich werde mich – was meine persönliche Meinung anbelangt – deshalb auch in Zukunft nicht zurückhalten. Selbstverständlich bin ich aber nun Teil eines fünfköpfigen Gremiums, welches nach dem Kollegialitätsprinzip funktioniert. Das bedeutet, dass ich immer hinter den Entscheiden des Gesamtstadtrates stehen und diese auch gegen Aussen vertreten werde.

Welche deiner Wahlversprechen möchtest du besonders gern bis zu den nächsten Wahlen eingelöst haben?

Der Stadtrat muss in den nächsten vier Jahren aktiver kommunizieren. Hier werde ich mich dafür einsetzen, dass die entsprechenden Ressourcen zur Verfügung stehen. Auch die Mitsprache der Bevölkerung bei Projekten will ich fördern. Da wünsche ich mir, dass wir in vier Jahren gute Beispiele vorweisen können, bei denen das funktioniert hat.

Fühlst du dich als „Herr Stadtrat“?

Das habe ich mich in den letzten Wochen immer wieder gefragt und bisher keine Antwort gefunden. Ich fühle mich noch genau gleich wie vorher und möchte das eigentlich auch beibehalten. Ob man sich so als „Herr Stadtrat“ fühlt, müsste ich mal mit meiner Kollegin und meinen Kollegen besprechen.

Du bist bekanntlich ein grosser Musik-Fan. Welchen Bandnamen würdest du dem Stadtrat geben und welche Musik würde diese Band machen?

Um den passenden Bandnamen zu finden, muss ich meine Band-Gspändli noch etwas besser kennenlernen. Vielleicht lohnt es sich, mir diese Frage in einem Jahr noch einmal zu stellen!

Den Sound, den wir in den nächsten vier Jahren spielen müssen, würde ich als modern progressive experimental indie electro Pop-Rock beschreiben. Also vorwärts gewandt, am Puls der Zeit und kreativ, aber trotzdem zugänglich; damit das, was wir als Stadtrat machen, auch Mehrheiten findet.