Was mir bei der Oltner Ortsplanungsrevision besonders gefällt und ein Aufruf

Bis am 13. Juli läuft noch die Mitwirkung zur Ortplanungsrevision. Die Unterlagen dazu umfassen 17 Dokumente, total fast 1500 Seiten. 

Was mir bei der Oltner Ortsplanungsrevision besonders gefällt und ein Aufruf
Ortsplanungsrevision prompted by Tobi Oetiker

Natürlich wollen wir von Olten jetzt! uns bei der Mitwirkung beteiligen. Nur sind 1500 Seiten schon etwas viel Material. Um mit der Textflut zurechtzukommen, haben wir mit KI-Unterstützung gearbeitet, und den Stapel systematisch nach den Themen durchforstet, die uns interessieren — vom Ortsbild über Hitze- und Klimaschutz, Verdichtung bis zu grauer Energie, bezahlbarem Wohnraum und Mobilität. Welche Rückmeldungen wir als Partei in der Mitwirkung geben wollen, werden wir am Dienstagabend entscheiden. Mehr dazu am Ende dieses Textes.

Bei der Auseinandersetzung mit den Unterlagen der Ortsplanungsrevision hat mich ein Thema besonders interessiert: Was passiert mit dem Ortsbildschutz? Daraus ist die NOZ-Kolumne von dieser Woche entstanden. Ich habe sie hier eingefügt, und dazwischen die Überlegungen, die in der Kolumne keinen Platz hatten.

Wer in Olten heute bauen oder umbauen will, schaut oft vergeblich in den Zonenplan: Was erlaubt ist, steht häufig nicht dort, sondern – je nach Standort – in einem von rund 150 Gestaltungsplänen, die bis zu 60 Jahre alt sind.

Ehrlich gesagt, bin ich froh, dass ich nie selbst in Olten gebaut habe und mich durch diesen Dschungel von Gestaltungsplänen kämpfen musste. Wer nicht vom Fach ist, hat wohl kaum eine Chance, herauszufinden, was auf einem Grundstück überhaupt erlaubt ist.

Die Ortsplanungsrevision räumt auf. Die alten Pläne werden weitgehend aufgehoben, das Baurecht kehrt in eine klare Grundordnung zurück: Wohn-, Misch- und Zentrumszonen, deren erlaubte Höhe gleich im Namen steckt – W2 bis W6, M2 bis M5, Z4 bis Z6. Für die meisten Eigentümerinnen und Eigentümer heisst das mehr Klarheit: Das Baurecht ergibt sich wieder aus der Zone.

So soll es sein! Die maximal erlaubte Höhe steht im Namen. Einfach und verständlich. Ich denke, solche Vereinfachungen sind zentral für eine nachvollziehbare Stadtplanung.

Auch bei den Baubewilligungen ändert sich Wesentliches: Über Baugesuche entscheidet künftig das städtische Bauinspektorat, beraten von einem neuen Fachbeirat. Es löst die heutige Altstadtkommission ab, die das Ortsbild oft mit den Massstäben des Denkmalschutzes beurteilte.

Ein solches ein Fachgremium hatten Daniela Minikus und ich im letzten Herbst per parlamentarischem Vorstoss angeregt. Als wir im Rahmen der aktuellen Mitwirkung sahen, dass die Idee in die Planung eingeflossen war, zogen wir den Vorstoss zurück, um das Parlament nicht unnötig zu beschäftigen. Wenn sich das nun eingeplante Fachgremium zusätzlich um die Entwicklung des gesamten Ortsbildes kümmern wird und nicht bei den einzelnen Baugesuchen stehen bleibt, wird das ein grosser Gewinn für die Stadt.

Für Olten-typische Quartiere – allen voran die Gartenstadtquartiere – gilt neu ein überlagernder «Perimeter für Quartiererhaltung». Er bewahrt Strassenbild, Vorgärten, Dachformen und die Art, wie die Häuser zur Strasse stehen.

Dieser Absatz ist der Grund, warum ich die Kolumne überhaupt geschrieben habe. In Olten hat der Ortsbildschutz für viele Leute einen schalen Beigeschmack, da ihre Bauvorhaben von der Altstadtkommission mit unerwartet strengen Auflagen versehen wurden.

In diesem Kontext könnte «Quartiererhaltung» leicht missverstanden werden. Aber so wie ich die Unterlagen lese, geht es dabei nicht darum, die bauliche Weiterentwicklung der Quartiere einzuschränken — im Gegenteil: Der Perimeter soll den Charakter eines Quartiers, das Strassenbild, die Vorgärten, die Dachformen erhalten und gleichzeitig die Möglichkeit zur Weiterentwicklung sichern, bis hin zu Abriss und Neubau einzelner Gebäude.

Für grössere Siedlungen aus der Hochhaus-Ära – etwa Meierhof, Kleinholz oder Fustlighalde – gibt es neu die «Zone für Entwicklung im Bestand»: Hier soll die Weiterentwicklung der bestehenden Gebäude und nicht Abriss und Neubau im Vordergrund stehen.

«Weiterbauen statt abreissen» — das ist ein zentraler Satz. Jeder Abriss verheizt die graue Energie, die in einem Gebäude steckt. Die Revision belohnt den Erhalt zwar, aber nur zaghaft; CO₂ und der Lebenszyklus eines Bauwerks kommen ansonsten kaum vor in den Unterlagen.

Unter dem Strich ist dies ein klarer Systemwechsel: weg vom Flickenteppich, hin zu einer Ordnung, die schützt, was ein Quartier prägt, und entwickelt, wo Platz ist. Ich bin guter Hoffnung, dass mit diesem Ansatz wieder mehr Energie in kreative Lösungen fliessen kann und weniger in Frustration verpufft.

Soweit meine Kolumne.

Wenn du nun Lust bekommen hast, dich noch etwas mehr mit der Materie zu beschäftigen, und dich an der Mitwirkung beteiligen willst, gibt es zwei Möglichkeiten:

Bis am 13. Juli kannst du selber eine Stellungnahme abgeben. Auf mitwirken-olten.ch findest du alle Unterlagen.

Wenn du mit uns mitdenken willst, bist du herzlich willkommen: Wir treffen uns am Dienstag, 7. Juli, um 19 Uhr im Stadthaus. Melde dich bei Tobi Oetiker. Wir freuen uns auf dich.

💬
Freund:innen von Olten jetzt!

Im Wahlkampf haben uns viele von euch unterstützt – mit Spenden, mit Flyerverteilen, mit euren Stimmen. Das hat funktioniert: Wir sitzen jetzt zu siebt im Parlament.

Wir sind nach wie vor auf deine Unterstützung angewiesen. Wir suchen Menschen, die unsere Arbeit finanziell mittragen – am liebsten regelmässig, verlässlich.

Warum? Wegen der Planungssicherheit. Wenn unsere Mittel gesichert sind, können wir uns auf die politische Arbeit konzentrieren statt aufs Geldsammeln.

Wir erhalten kein Geld von Verbänden, finanzkräftigen Stiftungen oder Firmen – nur von Menschen wie euch. Alle Beiträge dokumentieren wir auf der Transparenzseite – öffentlich, weil wir finden: So sollte Politikfinanzierung funktionieren.

Freund:in werden: Schicke eine Mail an friends@olten.jetzt – wir senden dir einen Einzahlungsschein.